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G.fast: BREKO kündigt wissenschaftlich begleiteten Praxistest an

G.fast ist interessante Technologie – muss aber sinnvoll und von allen Marktteil-nehmern wettbewerbsverträglich eingesetzt werden

31. Oktober 2014

Die alternativen Netzbetreiber des Bundesverbands Breitbandkommunikation (BREKO) wollen noch in diesem Jahr einen Praxistest der zum Einsatz auf Kupferdoppeladern entwickelten Technologie G.fast starten. Die im BREKO als führendem deutschen Breitband-Verband organisierten Festnetz-Wettbewerber der Deutschen Telekom beschäftigen sich bereits seit geraumer Zeit mit der neuen Technologie, die bislang allerdings noch nicht standardisiert wurde und in verschiedenen Praxisvarianten eingesetzt werden kann. Die Praxiserprobung wird von der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Gießen wissenschaftlich begleitet.

G.fast nutzt sehr hohe Frequenzbereiche und ist daher entsprechend anfällig für Störeinflüsse. Aus diesem Grund muss zusätzlich Vectoring eingesetzt werden, um den Effekt des Übersprechens zwischen den verschiedenen Adern in einem Leitungsbündel weitgehend zu eliminieren. Aufgrund der hohen Frequenzen und der dadurch starken Abschwächung des Signals eignet sich die Technologie nur für sehr kurze Strecken von maximal 250 Metern ab dem Einspeisepunkt.

Je nach Ort der Einspeisung – und damit dem Punkt des Einsatzes von G.fast – unterscheidet man zwischen der Nutzung direkt am Hausanschluss (dem sogenannten APL – dem Abschlusspunkt Linientechnik)  meist im Keller eines Gebäudes und dem Einsatz an einem speziellen Einspeisepunkt (FTTdp - Fibre To The Distribution Point), der auf der Straße – in der Regel unter dem Gehweg – liegt. Daher wird diese Variante teilweise auch als FTTS (Fibre To The Street) bezeichnet. In Deutschland gibt es bislang nur sehr wenige Distribution Points; diese müssten für G.fast daher eigens errichtet werden.

Wird G.fast zur Beschleunigung der in der Regel aus Kupferleitungen bestehenden Hausverkabelung genutzt – man könnte es auch als „Tuning“ der Inhouse-Verkabelung bezeichnen – und bis zum Hausanschluss Glasfaser (FTTB) gelegt, können auf diesem Wege Bandbreiten von bis zu mehreren Hundert Megabit pro Sekunde erreicht werden. Bei der Nutzung von Einspeisepunkten – den Distribution Points – unter dem Gehweg oder der Straße (FTTdp) reduzieren sich die maximal erreichbaren Datenraten mit zunehmender Entfernung bis zum Anschluss des Kunden drastisch: Bereits ab rund 50 Metern verbleibender Leitungslänge bis zum Nutzer verringert sich die erreichbare Bandbreite signifikant. Ab etwa 250 Metern verbleibender Leitungslänge ist ein Einsatz von G.fast nicht mehr sinnvoll.

„Aus diesem Grunde kann G.fast per FTTdp technologiebedingt nur wenig zum flächendeckenden Ausbau mit schnellen Breitbandanschlüssen im ländlichen Raum beitragen“, erläutert BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers. „Gerade hier haben wir es in der Regel mit sehr hohen Leitungslängen zu tun, so dass es wirtschaftlich und auch für den Kunden deutlich sinnvoller erscheint, die Glasfaser als zukunftssichere Technologie nicht nur auf die Straße bis vor das Gebäude, sondern direkt bis in die Häuser (FTTB/FTTH) zu legen.“ Gegen den Einsatz von G.fast zur Erhöhung der Bandbreiten über die vorhandene Kupfer-Hausverkabelung spricht für den BREKO zumindest technologisch nichts. „Bis die Glasfaser direkt in jede Wohnung gelegt werden kann, stellt G.fast einen sinnvollen Weg dar, um Menschen und Unternehmen sehr hohe Bandbreiten zu wirtschaftlichen Konditionen zur Verfügung stellen zu können“, unterstreicht Albers.

Dieser Ansatz bekräftigt den BREKO darin, auch weiterhin auf eine Multi-Access-Strategie zu setzen: Dabei werden die Glasfasernetze schrittweise mit immer höheren Bandbreiten und auf Basis wirtschaftlich tragfähiger Geschäftsmodelle immer näher zum Kunden gebaut.

Der Verband warnt nach den gemachten Erfahrungen bei VDSL2-Vectoring unterdessen davor, einzelnen Unternehmen exklusive Nutzungsrechte – etwa der Hausinfrastruktur – zur Verwendung des kommenden Standards einzuräumen. Technologiebedingt kann G.fast durch die Koppelung mit Vectoring immer nur von einem Unternehmen zwischen Einspeisepunkt und Endkunde eingesetzt werden. BREKO-Vizepräsident und Versatel-Chef Johannes Pruchnow: „Es muss von vorne herein sichergestellt werden, dass G.fast von allen Netzbetreibern zu fairen und chancengleichen Bedingungen eingesetzt werden kann. Quasi-Monopole darf es im Jahr 15 der TK-Liberalisierung nicht mehr geben.“

Um einen wettbewerbsverträglichen Einsatz von G.fast zu gewährleisten, muss die Einführung der neuen Technik von Beginn an regulatorisch eng begleitet werden. Vor allem muss sichergestellt werden, dass bestehende Investitionen am HVt (der Vermittlungsstelle) beziehungsweise am Kabelverzweiger (KVz – der „graue Kasten“ an der Straße) durch die neue Technologie nicht beeinträchtigt werden – zum Beispiel durch eventuelle Störeinflüsse auf bestehende ADSL-Leitungen, die derzeit neben VDSL mit und ohne Vectoring unproblematisch weiterbetrieben werden können.

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Pressekontakt:
Marc Kessler
Bundesverband Breitbandkommunikation e.V. (BREKO), Invalidenstraße 91, 10115 Berlin
Tel.: 030 / 58 58 0 - 411
Fax: 030 / 58 58 0 - 412
E-Mail: kessler@brekoverband.de
Internet: www.brekoverband.de